11.07.2011
Artikel
RAIFFEISENBANKEN

Geschichte und Besonderheiten der Raiffeisenbanken

raiffeisenbanken
Insgesamt haben die Volks- und Raiffeisenbanken das Ziel, das Vermögen breiter Bevölkerungsschichten zu mehren.   © Robert Kneschke - Fotolia.com

Mehr als 330.000 Unternehmen weltweit führen den Namen "Raiffeisen" als Marken- oder Namensteil. Ihr Geschäftsfeld sind in der Regel allgemeine Finanzdienstleistungen sowie Finanzprodukte zur Unterstützung der Landwirtschaft. Die Raiffeisenbanken (ursprünglich in ländlichen Gebieten gegründet und verbreitet), die Volksbanken (anfangs auf Städte und urbane Zentren beschränkt) und die Spar- und Darlehenskassen im landwirtschaftlichen Bereich sind die wichtigsten Säulen der Genossenschaftsbanken.

2010 wurden in Deutschland über 1.100 Genossenschaftsbanken gezählt. Davon firmierten ca. 570 Institute als Raiffeisenkassen (Raika) oder als Volks- und Raiffeisenbanken (VR- oder RV-Bank). Die Bilanzsumme aller Genossenschaftsbanken belief sich auf ca. 1017 Milliarden EUR. Sie hatten zu diesem Zeitpunkt knapp 30 Millionen Kunden, über 16 Millionen Mitglieder und ca. 13.000 Zweigstellen deutschlandweit.

Hinter dem Begriff "Raiffeisenbank" steckt der Name einer Person - Friedrich Wilhelm Raiffeisen. Er wurde 1818 in Hamm geboren und starb 1888 in Neuwied. 1847 gründete er den ersten landwirtschaftlichen Hilfsverein, den so genannten "Flammersfelder Hülfsverein". Ziel des Vereins war die Unterstützung finanziell schlecht gestellter Landwirte, die Schaffung von Einkaufsgenossenschaften, um Produktionsmittel (etwa Düngemittel oder Saatgut) zu erschwinglichen Preisen kaufen zu können, und letztendlich die Förderung der gegenseitigen Solidarität zwischen den Kreditnehmern. Weiterhin vergab der Verein günstige (sogenannte "grüne") Kredite zum Kauf von Saatgut und Dünger, die später mit der Ernte bezahlt werden konnten, und förderte die gemeinschaftliche Vermarktung der Ernte. In der Folgezeit wurden in vielen ländlichen Gebieten im deutschsprachigen Raum örtliche Spar- und Darlehenskassen zum Einkauf und Vertrieb nach dem Vorbild Raiffeisens gegründet. Voraussetzung war der Zusammenschluss von mindestens sieben Landwirten. Sie hafteten zunächst rechtlich und wirtschaftlich mit ihrem Gesamtvermögen, um effektiv verhandeln und zu erschwinglichen Preisen Produktionsgüter kaufen zu können. Später wurden die Raiffeisenbanken erfolgreicher und die Haftung wurde nur auf das Vermögen des Vorstands beschränkt. Schließlich, wenn ausreichend Vermögen vorhanden war, wurde die Haftung auf das Vermögen der Genossenschaft begrenzt, ganz nach dem Motto: Einer für alle! Alle für einen!

Aktuell stellen die Volks- und Raiffeisenbanken mit ihren zahlreichen Filialen immer noch die größte Bankengruppe Deutschlands dar. Da sie ursprünglich kleine Kreditinstitute mit relativ geringer Leistungsfähigkeit und einem geringen Angebot waren, haben sie in den letzten Jahrzehnten mehr und mehr miteinander fusioniert. Die gesetzlich geregelte Hauptaufgabe heutiger Volks- und Raiffeisen-Banken ist die Förderung der gemeinschaftlichen Erwerbs- und Wirtschaftsfähigkeit der Mitglieder gem. § 1 GenG. Dennoch hat sich ihr Geschäftsfeld mit der Zeit mehr und mehr verschoben: Während sie in der Gründungsphase das mittelständische Gewerbe und die ländliche Bevölkerung unterstützten, sind sie heute in der Regel normale Universalbanken. Hauptsächlich vergeben sie kurze, mittlere und langfristige Kredite und verwalten Spareinlagen. Eine geringe Rolle spielen Devisen- und Wertpapiergeschäfte. Insgesamt haben die Volks- und Raiffeisenbanken das Ziel, das Vermögen breiter Bevölkerungsschichten zu mehren.

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